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Modbus einfach erklärt: RTU, TCP und Registerlogik

Von Industrial Automation Pro · Veröffentlicht 2026-07-31 · 8 Min. Lesezeit

Modbus ist das wohl langlebigste Kommunikationsprotokoll der Automatisierungstechnik. Es stammt aus den 1970er-Jahren, ist offen dokumentiert und findet sich bis heute in nahezu jeder Anlage – vom Frequenzumrichter über Energiemessgeräte bis zur Heizungsregelung.

Der Grund für diese Langlebigkeit ist Schlichtheit: Modbus kennt weder komplizierte Objektmodelle noch aufwendige Konfiguration. Ein Gerät fragt, ein anderes antwortet.

Das Grundprinzip

Modbus arbeitet nach dem Client-Server-Prinzip (früher Master-Slave genannt). Der Client stellt eine Anfrage, der adressierte Server antwortet. Von sich aus sendet ein Server nichts – er wird stets abgefragt.

Die Daten liegen in vier Bereichen:

BereichTypZugriffTypischer Inhalt
Coils1 Bitlesen und schreibenSchaltbefehle, Freigaben
Discrete Inputs1 Bitnur lesenZustandsmeldungen, Endschalter
Input Registers16 Bitnur lesenMesswerte wie Strom, Temperatur
Holding Registers16 Bitlesen und schreibenSollwerte, Parameter

Die wichtigsten Funktionscodes ergeben sich daraus unmittelbar: 01 und 02 lesen Bits, 03 und 04 lesen Register, 05 und 06 schreiben einzelne Werte, 15 und 16 schreiben mehrere auf einmal.

Modbus RTU oder Modbus TCP?

Modbus RTUModbus TCP
ÜbertragungSerielle Leitung, meist RS-485Ethernet
AdressierungGeräteadresse 1–247IP-Adresse, Port 502
TopologieLinie (Bus), alle Geräte an einem PaarSterntopologie über Switch
FehlerprüfungCRC im TelegrammÜbernimmt TCP/IP
Geschwindigkeitüblich 9.600–115.200 BaudNetzwerkgeschwindigkeit
StärkeRobust, lange Strecken, günstigSchnell, einfache Integration in IT

Beide Varianten verwenden dieselbe Registerlogik – wer eine verstanden hat, findet sich in der anderen sofort zurecht.

RS-485 richtig aufbauen

Die meisten Modbus-RTU-Probleme sind keine Protokoll-, sondern Verdrahtungsprobleme:

Die typischen Stolpersteine

Sicherheit: Modbus kennt weder Authentifizierung noch Verschlüsselung – wer das Netz erreicht, kann schreiben. Anlagennetze gehören daher segmentiert und nie ungeschützt ins Internet.

Wie Modbus in das Gesamtsystem eingebettet ist, zeigt unser Beitrag zur Automatisierungstechnik; die abfragende Seite ist meist eine SPS oder ein SCADA-System.

Häufige Fragen

Was ist Modbus?

Ein offenes, sehr einfaches Kommunikationsprotokoll der Automatisierungstechnik. Ein Client fragt Daten ab, das adressierte Gerät antwortet. Die Daten liegen in Coils und Registern.

Was ist der Unterschied zwischen Modbus RTU und Modbus TCP?

Modbus RTU überträgt seriell, meist über RS-485 mit Geräteadressen von 1 bis 247. Modbus TCP nutzt Ethernet und IP-Adressen auf Port 502. Die Registerlogik ist bei beiden identisch.

Warum stimmt meine Modbus-Adresse nicht?

Meist wegen der Zählweise: Viele Hersteller nummerieren Register ab 1, im Protokoll beginnt die Zählung bei 0. Ein Versatz um genau eine Stelle deutet fast immer darauf hin.

Wie viele Geräte sind an einem Modbus-RTU-Bus möglich?

Das Protokoll erlaubt Adressen von 1 bis 247. Elektrisch begrenzen jedoch Leitungslänge, Baudrate und Busbelastung die Zahl in der Praxis meist deutlich früher.

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